Humanes Immundefizienz Virus - HIV

Das humane Immundefizienz Virus, kurz HIV, ist der Erreger der Immunschwächekrankheit Aids (Acquired immune deficiency syndrome, erworbenes Immundefektsyndrom) und gehört zur Gattung der Lentiviren ("langsame Viren": langsam fortschreitende chronische Erkrankungen auslösend), welche der Familie der Retroviren (behüllte Viren, die tierische Zellen befallen, Viren von pandemischen/ epidemischen Infektionskrankheiten) angehören.

Das HI-Virus gilt als schwerübertragbar. Es breitet sich nicht über Tröpfcheninfektion (z.B. Husten), bei sozialen Kontakten oder über das gemeinsame Nutzen von Schwimmbädern oder ähnlichem aus. Die größte Ansteckungsgefahr (fast 90% aller HIV-Infektionen) besteht beim ungeschützten Geschlechtsverkehr. Andere Ansteckungswege sind der Austausch von Spritzen beim intravenösen Drogekonsum, die Ansteckung des Kindes durch die Mutter bei der Schwangerschaft/ Geburt oder die übertragung über das Blut.

Damit es zu einer Ansteckung kommt, muss eine infektiöse Körperflüssigkeit (Blut, Muttermilch, Samenflüssigkeit, Scheidenflüssigkeit, Flüssigkeitsfilm der Darmschleimhaut), die eine hinreichende Menge an HI-Viren enthält, ausreichend lange auf eine Eintrittspforte (Schleimhäute von Darm, Penis und Vagina, blutende Wunden, entzündete Hautpartien) treffen. Die Inkubationszeit beträgt meist mehrere Jahre und verläuft oft unterschiedlich. Die unbehandelte Infektion lässt sich bis zur richtigen Aids-Erkrankung in vier Krankheitsstadien einteilen.

  1. Akute Phase

    Zwei bis sechs Wochen nach einer Infektion mit HIV treten akute Symptome auf. Diese ähneln einer Grippeinfektion und dauern vier bis sechs Wochen an. Typische HIV Symptome sind:

    • Fieber
    • Abgeschlagenheit / Müdigkeit
    • Halsschmerzen, Unwohlsein, Kopfschmerzen
    • Appetitlosigkeit
    • Gelenkschmerzen (Athralgien)
    • Hautausschlag, Geschwüre im Bereich der Mundschleimhaut (orale Ulzeration)
    • übelkeit/ Durchfall
    • Nachtschweiß
    • Geschwollene Lymphknoten
    • Gewichtsverlust von mehr als 2,5 kg
    • Lichtempfindlichkeit

    Die Symptome von HIV können je nach Person unterschiedlich verlaufen oder abgeschwächt auftreten, da das Immunsystem unterschiedlich auf die HIV Infektion reagieren kann. Wegen der ähnlichkeit der Symptome mit einer Grippeerkrankung bleibt die HIV Infektion in diesem Stadium oft unerkannt. Eine frühe Diagnose ist zum Schutz vor der Ansteckung weiterer Personen wichtig. Auch kann eine antivirale Behandlung in der akuten Phase helfen die spezifische Immunantwort der Patienten zu stärken.

  2. Latenzphase

    Der Zeitpunkt des Auftretens erfolgt ca. sechs bis zwölf Wochen nach der Infektion und kann bis zu zehn Jahre anhalten. Meist sind in dieser Phase der HIV Erkrankung keine akuten HIV Symptome zu beobachten. Es treten eher schleichende oft unbemerkte Veränderungen der Blutwerte und des Stoffwechsels auf. Eine solche Stoffwechselveränderung ist beispielsweise die Lipodystrophie, auch Stoffwechselsyndrom genannt, bei der sich die Blutfette und die Serumcholesterinwerte erhöhen. Das macht sich in Form von Fettauszehrungen (Fettpolster) im Gesicht sowie an Bauch und Beinen bemerkbar. Dadurch erhöht sich das Risiko an Diabetes oder kardiovaskulären Leiden (Herz-Kreislauf-Erkrankungen) zu erkranken. Patienten, die von ihrer Infektion wissen, können zusätzlich unter starken psychischen Problemen leiden.

  3. Aids Related Complex (ARC)

    Bleibt eine HIV-Infektion über lange Zeit unbehandelt sinkt die Anzahl der CD4-T-Helferzellen kontinuierlich. Diese Zellen sind für die Funktionalität des menschlichen Immunsystems verantwortlich. Werden die CD4-T-Helferzellen von einem HI-Virus als Wirt benutzt stirbt diese ab. Auf anderem Wege zerstören die HI-Viren indirekt die CD4-T-Helferzellen durch Eiweiße und zerstörerische Informationshybride aus DNA und RNA. Vom Immunsystem werden oft bereits infizierte Zellen erkannt und ebenfalls zerstört, da sie vom Körper als gefährlich eingestuft werden. Nach einer solchen Immunantwort ist der Körper in der Lage für einige Jahre die zerstörten CD4-T-Helferzellen durch neu produzierte zu ersetzen. Bleibt die HIV-Infektion unbehandelt sinkt die Anzahl der T-Helferzellen jedoch wieder ab und mündet in einem schweren Immundefekt. Die HIV Symptome zeigen sich hierbei ähnlich wie in der akuten Phase, sie dauern allerdings an und gehen nicht mehr zurück. Das Auftreten eines schweren Immundefekts muss nicht zwingend bedeuten, dass eine Aids-Erkrankung vorliegt. Je länger jedoch ein schwerer Immundefekt andauert, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Aids ausbricht. Der ARC mündet fast immer in eier Aids-Erkrankung.

  4. Aids

    Bei weiterem Fortschreiten der HIV-Infektion (ab 3. Krankheitsstadium) entwickeln sich sogenannte Aids-Definierende Erkrankungen. Diese werden durch Viren, Pilze oder Parasiten verursacht. Zu diesen Erkrankungen gehören zum Beispiel:

    • Tuberkulose
    • Lungenentzündung
    • Pilzinfektionen der oberen Atemwege
    • Tumore (z.B. Kaposi-Sarkom)
    • Gebärmutterhalskrebs

    Man spricht hierbei von der Entwicklung eines HIV-Vollbildes und somit dem Ausbruch von Aids. Charakteristisch ist das parallele Auftreten opportunistischer Infektionen, die das Immunsystem immer mehr schwächen. Mit Krankheitsbildern, die bei gesunden Menschen nicht auftreten würden (z.B. Kaposi-Sarkom). Diese Infektionen sind für einen gesunden Mensch ungefährlich, für ein HIV geschwächtes Immunsystem führen sie, auch aufgrund des parallelen Auftretens, jedoch meist zum Tod.

    Aufgrund des fortgeschrittenen medizinischen Wissens wird Aids immer mehr zu einer chronischen Krankheit, solange es frühzeitig und konsequent behandelt wird. Der Tod kann dadurch um Jahre bis Jahrzehnte verschoben werden.

    Die Phasen und die Symptome können im Einzelfall immens abweichen. So gibt es zum Beispiel eine Vielzahl infizierter Menschen, bei denen die Infektion jahrelang nicht bemerkt wird und erst mit dem Zusammenbruch des Immunsystems erkannt wird.

    Das US amerikanische Center for Disease Control and Prevention klassifiziert die Aids Stadien etwas anders nach der Dichte der CD4-T-Helferzellen im Blut in drei Kategorien:

    1. Kategorie A: keine klinischen Symptome
    2. Kategorie B: alle Krankheiten, die nicht direkt als Aids definiert gelten, aber mit der entstehenden Immunschwäche im Zusammenhang stehen
    3. Kategorie C: alle als Aids eingestuften Krankheiten (Krankheiten, die bei einem gesunden Menschen nicht auf

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